Dienstag, 30. Juni 2015

Frau - die eierlegende Wollmilchsau

In letzter Zeit lese ich immer mehr Posts von Bloggerinnen und Artikel von online-Portalen, die darüber schreiben, wie schwer es Frau heute hat, Familie und Beruf zu vereinen, bzw ob das überhaupt möglich ist. Da scheinen sich auch arg die Geister zu scheiden. 
Trotzdem habe auch ich ständig das Gefühl, dass diese ganze "Emanzipations-Geschichte" zu irgendeinem Zeitpunkt einen völlig falschen Einschlag genommen hat. Die Frau soll dem Mann gleich gestellt sein. Klingt Super. Aber ist es das auch immer? Zu jedem Zeitpunkt und in jeder Lebenslage? 
Ich stelle mir diese Fragen sehr oft. Ich bin inzwischen seit 5 Jahren in Elternzeit, habe drei wundervolle, gesunde Kinder zur Welt gebracht und liebe das Muttersein. Nichts desto trotz hatte ich ab dem ersten Moment daheim (vorher war ich ein workaloholic), das Gefühl NUR NOCH Hausfrau und Mutter zu sein, was mich dazu trieb, ständig alles perfekt machen zu wollen. Es fing mit kochen, backen und dem Haushalt an und inzwischen packe ich nähen, kochen backen, Studium, 3 Kinder, bloggen, putzen, usw in einen 24 Stunden Tag. Und doch, das Gefühl bleibt. Ich bin nur Hausfrau und Mutter. Wenn ich von ehemaligen Schulkolleginnen oder Kindheitsfreundinnen gefragt werde, was ich denn nun mache - was aus mir geworden wäre - liegt mir diese Antwort immer ein wenig wie ein Kloß im Hals. Ich bin Hausfrau und Mutter. Ich schiebe dann noch ganz oft hinterher "in Elternzeit", um nicht als völlig untätig da zu stehen.
Aber woher kommt dieses Denken und warum ist es so verbreitet hier in Deutschland?
Mein Mann stammt aus der Türkei. Von ihm bekomme ich mindestens 2x die Woche zu hören "du machst dir zu viel Stress. Setz dich doch mal, entspann dich!". Die Frauen in der Türkei sind noch Frauen. Hier in Deutschland schaut man gerne auf die "armen" türkischen Frauen herab, da sie ja nicht die selbe, Männern gleichwertige Stellung besitzen, wie die deutschen Frauen. Wenn man allerdings mit diesen armen Frauen spricht, bekommt man ganz schnell einen anderen Eindruck. In der Türkei hat die Familie noch einen wahnsinnig hohen Stellenwert. Niemand ist genervt von lauten Kindern, jeder bietet einem Hilfe an wenn man schwanger ist/Kinder hat und überhaupt haben Kinder dort fast schon Narrenfreiheit. Und die Mütter? Sie sind glücklich! Sie bleiben Zuhause und sind froh dass der Mann arbeiten geht und die Familie versorgt. Sie genießen das Muttersein, treffen sich zum Kaffeetrinken und nutzen die freie Zeit mit dem Kind. Die Mütter dort haben nicht diesen hohen Anspruch an sich selber, die eierlegende Wollmilchsau zu sein, die wir anstreben. Sie sind stolz darauf Mutter zu sein und kommen auch mit einem geringeren Einkommen klar, dann wird halt verzichtet! Sie haben aber trotz allem nicht das Gefühl "unter" dem Mann zu stehen. Sondern jeder hat seine Rolle und Aufgaben. Ein Mann kann kein Kind zur Welt bringen. Und eine Frau kann nicht gleich nach der Geburt wieder arbeiten gehen, da sie ihr Baby hat, das gestillt und versorgt werden will. Und der Vater hat dafür zu sorgen, dass es Mutter und Kind möglichst an nichts fehlt. Jeder hat seine Rolle, nicht die gleiche aber trotzdem gleichwertig! 
Oft wünsche ich mir diese Verhältnisse hier her, zumal es dort auch diese furchtbaren "Mommy-Wars" nicht gibt. Aber ich glaube auch, dass dieses Denken inzwischen viel zu tief in uns verankert ist. Vielleicht würde es besser werden, wenn Deutschland allgemein Familienfreundlicher werden würde, was in Anbetracht der derzeitigen Lage allerdings fast schon unmöglich erscheint. Mütter sollen nur noch funktionieren. Schon während Schwangerschaft und Geburt (die am besten am Fließband im OP von statten geht) und dann auch gleich nach dem Mutterschutz. Wiedersetzt man sich diesem Prinzip des Funktionierens und bleibt für die Familie daheim, erhält man zum Dank eine geringe Rente, den Stempel "Hausfrau und Mutter" und (wenn das Kind dann schon größer ist und man wieder bereit ist, in den Beruf einzusteigen) schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt. 

Nun bleibt die Frage, mit dem Strom schwimmen, oder widersetzen? Ist dieses Widersetzen überhaupt finanziell machbar? Wie handhabt ihr es? Ich habe für mich einen Mittelweg gefunden, mit dem ich (zurzeit!) sehr glücklich bin (auch wenn es manchmal gesünder wäre 2 Gänge runter zu schalten....). Ich bin für meine drei Mäuse daheim (und bleibe es auch noch in den nächsten 2 1/2 Jahren) und befriedige mein Bedürfnis nach Anerkennung, Selbstfindung und (auch wenn's komisch klingt) Selbsterhaltung mit meinen beiden derzeit größten Hobbies. Dem Nähen und dem Lernen. 

Gute Nacht 
Kathrin 

1 Kommentar:

  1. Moin Kathrin!
    Deine Beschreibung kann ich sehr gut nachvollziehen. Als studierende Mutter bekomme ich zwar von meinen Kommiliton_innen zumeist viel Respekt und Anerkennung, meine zwei Kinder sind aber auch von Mo bis Fr in Fremdbetreuung und mein Partner macht genauso Haushalt wie ich. Trotdem habe ich das Gefühl "nur" Studentin, Hausfrau und Mutter zu sein und denke, dass mein Vollzeit arbeitstätiger Partner es "einfacher" hat Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen.
    Es wäre wünschenswert, wenn Mutter-/ Vatersein eine höhere Anerkennung bekäme!
    Alles Gute!

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